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| Pfiffige Leute werden Schiedsrichter | Der 37-jährige Tichico Contardi aus Münchwilen ist seit einem Jahr Fussballschiedsrichter. Warum er sich für eine Schiedsrichterlaufbahn entschieden hat, erzählt Contardi im untenstehenden Interview.MÜNCHWILEN – Der Ostschweizer Fussballverband OFV greift durch und zeigt den Vereinen die gelbe oder rote Karte. Um das leidige Nachwuchsproblem bei den Schiedsrichtern in den Griff zu bekommen, werden Clubs, die zu wenig Schiedsrichter stellen, mit dem Aussschluss von Teams bestraft. Auch der FC Münchwilen leidet seit längerer Zeit unter Schiedsrichtermangel. Viel hat man im Verein schon unternommen, um dem Nachwuchs eine „Karriere mit Pfiff“ schmackhaft zu machen. Die vereinsinternen Bemühungen zeigen leider nur vereinzelt Erfolg. Einer hat sich aber den Aufruf „zur Pfeife zu greifen“ zu Herzen genommen.
Was hat Dich dazu bewogen, Schiedsrichter zu werden?
Tichico Contardi: Ich bin ein grosser Fussballfan und zum Fussball gehören Schiedsrichter. Ohne die schwarzen Männer kann nicht gespielt werden. Daher hat mich der Job des Schiedsrichters schon immer interessiert. Nachdem mich Vereinspräsident Hans-Jörg Schmid im letzten Herbst auf das Thema „Schiedsrichter“ angesprochen hat, meldete ich mich spontan für die Grundausbildung an.Wie wird man denn überhaupt Schiedsrichter?
TC: Einige Voraussetzungen muss man als Anwärter erfüllen. Es braucht einen guten Leumund und eine gewissen körperliche Fitness. Das Mindestalter beträgt 15 Jahre, das Höchstalter 45 Jahre. Zuerst wurde ich vom OFV zu einem eintägigen Zulassungstest nach Arbon eingeladen. Es galt verschiedene Disziplinen – einen Gewandtheitslauf, einen 50 Meter Sprint und einen Ausdauerlauf über 2000 Meter in einer bestimmten Zeitvorgabe – zu bewältigen. Zudem mussten wir eine schriftliche Aufgabe bewältigen. Nachdem ich diesen Test bestanden hatte, erhielt ich ein Aufgebot zur Schiedsrichter-Grundausbildung. Dafür musste ich ein Wochenende einsetzen. Der Kurs fand vom Freitagmittag bis Sonntagabend im Sportzentrum Kerenzerberg in Filzbach statt. Am Schluss wurden wir mit einem Regeltest geprüft. Von 20 Fragen mussten 16 richtig beantwortet sein. Und seither bin ich Schiedsrichter!
Du konntest also nach dem erfolgreich bestandenen Grundkurs sofort Spiele leiten?
TC: Ja genau, schon eine Woche später erfolgte mein erster Einsatz. Die ersten fünf Spiele begleitete mich ein erfahrener Betreuer. Nach Spielschluss hat er mit mir zusammen jeweils den Match und meine Leistungen besprochen. Zurzeit pfeife ich Begegnungen von C- und B-Junioren. Dabei werde ich regelmässig von Experten inspiziert. Wenn meine Leistungen gut genug sind, kann ich aufsteigen. Ich hoffe natürlich schon, dass mir dies schon bald gelingt.Hast Du denn den Ehrgeiz, um ganz nach oben zu kommen? TC: Den Ehrgeiz dazu hätte ich schon, nicht aber das Alter. Da muss man realistisch bleiben. Mit 37 kann es vielleicht noch bis in die 3. Liga gehen, weiter eher nicht. Meine Motivation hole ich aus der Freude am Fussballsport. Zudem finde ich es faszinierend, dass man auf dem Platz alles im Griff haben muss. Dafür braucht es psychologisches Geschick, Menschenkenntnis, Korrektheit und Einfühlungsvermögen. Wer regeltechnisch und konditionell nicht auf der Höhe ist, kommt natürlich schnell „unter die Räder“.
Und wie sieht es mit der Bezahlung aus. TC: Als Entschädigung erhalte ich pro Einsatz 70 Franken. Das ist der Mindestansatz auf der untersten Stufe. Je höher die Ligaqualifikation, desto höher ist natürlich dann auch die Entschädigung. Für junge Schiedsrichter, die noch in der Lehre sind, kann das Geld vielleicht schon auch eine zusätzliche Motivation bedeuten.. An welchem Tag und zu welcher Zeit ich pfeifen will, kann ich übrigens selber bestimmen. Alle Matches sind im Wettspieltableau aufgeführt. Via Internet kann ich mich für Spiele, für die ich eine Qualifikation besitze, bewerben. Dann erhalte ich ein Aufgebot. Pro Saison muss ich mindesten 15 Matches arbitrieren.Was entgegnest Du jungen Sportlern, die sagen, sie wollten doch nicht der Buhmann sein? TC: Also zuerst einmal: Eine Schiedsrichterlaufbahn können nicht nur Sportler, sondern natürlich auch Sportlerinnen einschlagen. Mangelnder Respekt vor dieser wichtigen Aufgabe ist aber tatsächlich ein Problem. Kritik muss man als Schiedsrichter einstecken können. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich meine Leistungen selber richtig einordnen kann. Ich sehe die Schiedsrichterei aber auch als Lebensschule. Wer auf dem Fussballplatz in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf behält und sich durchzusetzen vermag, wird dies auch in anderen Lebensbereichen, zum Beispiel im Beruf, können. Und eines sollte ein Junger ebenfalls nicht ausser Acht lassen: Im Vergleich zu einem Spieler kann ein Schiedsrichter viel schneller Karriere machen. Dazu braucht es aber, Willen, Fleiss, Disziplin und vor allem Leidenschaft. Ich kann allen wärmstens empfehlen, sich beim FC Münchwilen zu melden. Interessierten wird noch so gerne detailliert Auskunft über die Schiedsrichtertätigkeit gegeben.INTERVIEW: PETER MESMER
BILDLEGENDE:
Der 37-jährige Tichio Contardi ist ein Spätberufener. Vor einem Jahr hat er sich entschlossen Schiedsrichter zu werden, dies vor allem aus Liebe und Leidenschaft zum Fussball und zu seinem Verein.
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